Eine scharfe Motorsägenkette erleichtert die Arbeit, sorgt für eine gute Schnittleistung und reduziert unnötige Belastungen für Motorsäge und Anwender. Mit zunehmender Nutzung werden die Schneidezähne jedoch stumpf – besonders nach Kontakt mit Erde, Steinen oder verschmutztem Holz. Spätestens dann ist es Zeit, die Motorsägenkette zu schärfen.
Mit der passenden Rundfeile, einer Feilenführung und etwas Übung kannst Du eine Sägekette selbst nachschärfen. Wir zeigen Dir Schritt für Schritt, worauf Du dabei achten solltest.
Sicherheitshinweis: Vor allen Arbeiten an der Sägekette muss die Motorsäge vollständig ausgeschaltet und gegen unbeabsichtigtes Starten gesichert sein. Trage beim Umgang mit der Kette geeignete Schutzhandschuhe und beachte die Bedienungs- und Wartungsanleitungen des Motorsägen- und Kettenherstellers.
Woran erkenne ich eine stumpfe Motorsägenkette?
Eine stumpfe Kette macht sich häufig bereits während des Sägens bemerkbar. Eine scharfe Kette zieht sich bei korrekter Anwendung gut ins Holz und produziert deutliche Späne. Wird die Kette stumpf, verändert sich das Schnittverhalten.
Typische Hinweise können sein:
- statt deutlicher Späne entsteht zunehmend feines Sägemehl
- die Motorsäge muss stärker in den Schnitt gedrückt werden
- die Schnittleistung nimmt deutlich ab
- der Schnitt verläuft zunehmend unruhig oder einseitig
- die Belastung und Vibrationen beim Sägen nehmen zu
Spätestens bei diesen Anzeichen sollte die Kette
kontrolliert werden.
Welche Feile brauche ich für meine Sägekette?
Zum manuellen Schärfen der Schneidezähne wird eine Rundfeile (Art. Nr. 35470) mit passendem Durchmesser benötigt. Welche Feilengröße richtig ist, hängt von der verwendeten Sägekette und deren Teilung beziehungsweise Ausführung ab.
Die benötigte Größe findest Du in den Angaben des Kettenherstellers. Eine beliebige Rundfeile sollte nicht verwendet werden, da Durchmesser und Position der Feile die Geometrie des Schneidezahns beeinflussen.
Eine Feilenlehre oder Feilenführung erleichtert es,
den vorgesehenen Winkel und die richtige Feilenposition einzuhalten.
Motorsäge für das Schärfen vorbereiten
Stelle die Motorsäge auf einer stabilen Arbeitsfläche ab und sichere sie entsprechend der Herstelleranleitung gegen unbeabsichtigtes Starten.
Für einen sicheren Halt kann die Führungsschiene beispielsweise in einem geeigneten Schraubstock oder Feilbock (Art. Nr. 15534) fixiert werden. Dabei darf die Führungsschiene nicht beschädigt werden.
Die Kette sollte so gespannt sein, dass sie während des Feilens stabil in der Führung liegt, aber zum Bearbeiten der weiteren Schneidezähne entsprechend der Herstelleranleitung weiterbewegt werden kann.
Motorsägenkette schärfen – Schritt für Schritt
1. Sägekette reinigen und kontrollieren
Entferne zunächst grobe Verschmutzungen von Kette und Führungsschiene. Anschließend solltest Du die gesamte Kette auf Beschädigungen, Risse oder stark verschlissene Bauteile überprüfen.
Eine beschädigte Kette sollte nicht einfach nachgeschärft und weiterverwendet werden.
2. Kürzesten Schneidezahn bestimmen
Suche den am stärksten abgenutzten beziehungsweise kürzesten Schneidezahn. Dieser dient als Orientierung für die übrigen Schneidezähne.
Markiere den Ausgangszahn beispielsweise mit einem geeigneten Stift. Dadurch erkennst Du später, wann Du die gesamte Kette einmal bearbeitet hast.
3. Richtigen Schärfwinkel einhalten
Setze die Rundfeile entsprechend den Vorgaben des Kettenherstellers am Schneidezahn an. Der vorgeschriebene Schärfwinkel muss möglichst konstant eingehalten werden.
Je nach Kettentyp können unterschiedliche Winkel erforderlich sein. Deshalb solltest Du Dich immer an den Angaben für Deine konkrete Sägekette orientieren.
Feilenhalter und Schärflehren können dabei helfen, die Feile korrekt zu führen.
4. Von innen nach außen feilen
Die Schneidezähne werden in der Regel von der Innenseite nach außen gefeilt. Übe dabei gleichmäßigen Druck aus und führe die Feile kontrolliert durch den Schneidezahn.
Die Rundfeile arbeitet beim Vorwärtshub. Beim Zurückführen wird sie entlastet.
Versuche, jeden Schneidezahn mit einer vergleichbaren Anzahl gleichmäßiger Feilenstriche zu bearbeiten.
5. Zuerst eine Zahnseite bearbeiten
Die Schneidezähne einer Motorsägenkette zeigen abwechselnd nach links und rechts. Deshalb ist es praktisch, zunächst alle Schneidezähne einer Richtung zu bearbeiten.
Anschließend wird die Motorsäge beziehungsweise die Arbeitsposition entsprechend angepasst und die gegenüberliegende Zahnreihe geschärft.
So lässt sich der vorgesehene Winkel leichter gleichmäßig einhalten.
6. Auf gleichmäßige Zahnlängen achten
Alle Schneidezähne sollten nach dem Schärfen möglichst gleichmäßig lang sein. Große Unterschiede können dazu führen, dass die Kette unruhig oder einseitig schneidet.
Orientiere Dich dabei am zuvor bestimmten kürzesten Schneidezahn und an den Herstellervorgaben.
Tiefenbegrenzer kontrollieren
Neben den eigentlichen Schneidezähnen besitzt die Sägekette sogenannte Tiefenbegrenzer. Sie bestimmen mit, wie tief der Schneidezahn in das Holz eingreifen kann.
Durch wiederholtes Schärfen werden die Schneidezähne niedriger. Deshalb muss in bestimmten Abständen auch der Abstand zum Tiefenbegrenzer kontrolliert werden.
Dafür eignet sich eine Tiefenbegrenzerlehre. Ist eine Nachbearbeitung erforderlich, erfolgt diese mit einer geeigneten Flachfeile entsprechend den Vorgaben des Kettenherstellers.
Wichtig: Ein zu stark abgefeilter Tiefenbegrenzer kann das
Lauf- und Rückschlagverhalten der Motorsäge ungünstig beeinflussen. Deshalb
niemals nach Augenmaß unnötig viel Material entfernen.
Wie oft muss eine Motorsägenkette geschärft werden?
Dafür gibt es kein festes Intervall. Wie schnell eine Kette stumpf wird, hängt unter anderem von Holzart, Verschmutzung, Arbeitsweise und möglichen Kontakten mit Fremdkörpern ab.
Besonders schnell kann die Schneide durch Kontakt mit Erde, Sand oder Steinen stumpf werden. Schon ein kurzer Bodenkontakt kann die Schnittleistung deutlich verschlechtern.
Es ist deshalb besser, die Kette frühzeitig leicht
nachzuschärfen, als lange mit einer deutlich stumpfen Kette weiterzuarbeiten.
Handfeile oder Kettenschärfgerät?
Für das regelmäßige Nachschärfen unterwegs oder in der Werkstatt sind Rundfeile und Feilenhalter eine einfache Lösung.
Wer häufig mehrere Sägeketten bearbeitet, kann alternativ ein elektrisches Kettenschärfgerät (Art. Nr. 97192 oder 26847) verwenden. Damit lassen sich Winkel und Materialabtrag reproduzierbar einstellen. Allerdings muss auch hier sorgfältig gearbeitet werden, damit nicht unnötig viel Material vom Schneidezahn entfernt wird.
Für gelegentliche Nacharbeiten reicht häufig ein passendes
Feilenset aus.
Fehler beim Schärfen vermeiden
Einige typische Fehler können die Schnittleistung beeinträchtigen oder die Lebensdauer der Sägekette verkürzen:
- falschen Feilendurchmesser verwenden
- Schärfwinkel nicht einhalten
- Schneidezähne unterschiedlich stark abfeilen
- zu viel Material abtragen
- Tiefenbegrenzer nicht kontrollieren
- Tiefenbegrenzer zu weit abfeilen
- beschädigte Ketten weiterverwenden
Besonders bei den ersten Schärfversuchen sind Feilenlehren
und Führungshilfen empfehlenswert.
Nach dem Schärfen Kette kontrollieren
Nach Abschluss der Arbeiten sollte die gesamte Sägekette nochmals überprüft werden. Achte darauf, dass keine sichtbaren Schäden vorhanden sind und alle bearbeiteten Schneidezähne gleichmäßig geschärft wurden.
Anschließend wird die Kettenspannung entsprechend der Bedienungsanleitung eingestellt. Kontrolliere außerdem die Kettenschmierung und den Zustand der Führungsschiene.
Erst danach ist die Motorsäge wieder für den Einsatz vorzubereiten.
